Delphine de Vigan – Dankbarkeiten

Das Buch wurde mir vom Verlag als Leseexemplar zur Verfügung gestellt. Die Rezension beinhaltet ausschließlich meine persönliche Meinung. Für den Beitrag habe ich kein Geld erhalten.
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Dankbarkeiten ist das erste Buch der Autorin, das ich gelesen habe. Ich wusste nicht genau, worauf ich mich einlasse. Mehrere Kolleginnen hatten mir bereits zuvor Bücher von ihr ans Herz gelegt. Dankbarkeiten sollte also das Erste sein und es hat mich restlos begeistert.

Zu Beginn unserer Geschichte zieht Michka von ihrer Wohnung in ein Pflegeheim um. Sie kann nicht mehr alleine wohnen und ihre Ziehtochter und gute Freundin Marie kann sich nicht um sie kümmern. Den beiden fällt die Situation schwer. Das Pflegeheim ist der letzte Ausweg, sehr lange haben sie sich davor gedrückt. Doch als Michka fällt, haben sie keine Wahl mehr. Ihr fallen die Worte schwer, sie hat Alpträume und der Alltag wird zu einem großen Akt. Michka, einst sehr wortgewandt und gebildet hat Demenz. Ihr gehen die Worte und Gedanken verloren. Nur eine Sache bleibt ihr sehr deutlich im Gedächtnis: Sie möchte noch einmal „Danke“ sagen.

Im 2. Weltkrieg hinterließ ihre Mutter Michka bei zwei Fremden in Frankreich. Herni und Nicole versteckten sie, nahmen große Gefahr auf sich, um ihre Sicherheit zu gewährleisten. Doch Michka war noch sehr klein, nach dem Krieg kehrte ihre Tante nach Frankreich zurück, um sie bei sich aufzunehmen. Michka kam nie dazu sich zu bedanken – etwas, das sie ein Leben lang beschäftigen sollte.

Im Pflegeheim bekommt Michka nun jede Woche Besuch von Jerome, ihrem Logopäden. Und während sie selbst langsam die Hoffnung verliert, ist das Treffen mit Jerome jede Woche aufs neue ein Lichtblick für sie, vor allem als Marie sie irgendwann nicht mehr besuchen kann.

Dankbarkeiten ist ein sehr emotionaler und prägnanter Roman. Delphine de Vigan hat es auf sehr traurige, aber auch faszinierende Weise geschafft, die Beeinträchtigung der Sprache bei Demenz dazustellen. Es ist sehr schrecklich mit anzusehen, wie Michka die Worte verloren gehen, wo sie doch eine so gebildete Frau war. Auch die Übersetzerin, Doris Heinemann,  hat an dieser Stelle gute Arbeit geleistet. Ich glaube, das hätte auch sehr gut nach hinten losgehen und das Buch vermurksen können!

Jedes Kapitel hat mich tiefer in einen Strudel gerissen. Ich wollte unbedingt wissen, wie diese Geschichte ausgeht. Am Ende musste ich auch das ein oder andere Tränchen vergießen. Was 170 Seiten manchmal auslösen und erzählen können. Unglaublich, wie man eine so große Geschichte auf so wenige Seiten verdichten kann.

 


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Das Buch habe ich seitens des Verlags als Leseexemplar bekommen. Für die Rezension habe ich kein Geld erhalten. Der nachfolgende Link führt zur Internetseite des Verlages.

Delphine de Vigan  | Dankbarkeiten
Aus dem Franz. von Doris Heinemann
Dumont Verlag | 170 Seiten

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