Delphine Minoui – Die geheime Bibliothek von Daraya

Es gibt unzählige Bücher für Erwachsene und Kinder mit geheimen Orten, verbotenen Büchern und Zauberformeln. Doch „Die geheime Bibliothek von Daraya“ ist kein Fantasyroman. Daraya? Wo liegt das? Als ich in einer Instagramstory von Sabrina das erste Mal das Buch entdeckte, musste ich den Ort erstmal googlen. Ich war nie gut in Erdkunde und gestehe ehrlich: Für alles was südöstlicher von Österreich und Tschechien liegt habe ich mich noch nie so wirklich interessiert. Man hört von einem Krieg hier und da, aber es erscheint uns hier in Deutschland glücklicherweise auch immer noch so weit weg, dass man es in den täglichen Nachrichten zwar zur Kenntnis nimmt, aber sehr oft bleibt es doch auch dabei.

Auch mit dem Krieg in Syrien habe ich mich trotz der großen politischen Diskussion in Deutschland nicht ausführlicher beschäftigt. Es ist vermutlich naiv so vorzugehen, aber die Tatsache, dass viele Menschen von dort flüchten habe ich ebenso erstmal bloß hingenommen. Und in meinem Kopf war auch immer nur direkt verknüpft: Da ist ein Krieg, ist doch logisch, dass wir da helfen und Menschen hier bei uns aufnehmen müssen.

Das hier soll aber auch gar keine politische Abhandlung werden, ich möchte euch damit nur verdeutlichen, warum ich gerade dieses Buch unbedingt haben wollte und wie viel es mir persönlich gebracht hat. Zudem glaube ich, dass es sehr vielen Menschen dort draußen auch so geht.  Manchmal braucht man ja doch nur einen ganz konkreten Anstoß, um sich mit etwas näher auseinanderzusetzen.

Daraya ist ein Vorort der syrischen Stadt von Damaskus. Wie die französische Journalistin Delphine Minoui zufällig auf ein Foto aufmerksam wurde, so fand auch dieses Buch seinen Weg zufällig auf meine Wunschliste. Eine Bibliothek in mitten einer zerstörten und von der Außenwelt abgeschotteten Stadt? Klingt das für euch noch immer nach einer Fantasylektüre? Minoui hat recherchiert und Kontakt aufgenommen. Von 2013- 2017 begleitet sie einige Männer vor Ort. Sie haben die Bücher aus den Trümmern der Häuser gesammelt, neue Regale gezimmert und eine Bibliothek unter der Stadt neu aufgebaut. Einige von ihnen haben zuvor nie gelesen. Bücher geben den Menschen dort etwas, was sie zuvor vielleicht schon nicht mehr hatten: Hoffnung.

Mir ist das Buch sehr nahe gegangen. Minoui beschreibt, wie sie mit den Männern skypte und plötzlich das Bild wackelt oder auch ganz verschwindet, weil Daraya schon wieder von einer Bombe getroffen wurde. Wie sie wartet, dass sich wieder jemand bei ihr meldet, ein Lebenszeichen gibt. Ich habe mich auf diesen Seiten sehr nah am Geschehen gefühlt und jede Seite auf Besserung mitgefiebert. Wer die aktuelle Lage kennt, weiß wie dieses Buch endet, allen anderen möchte ich die Geschichte gerne mit auf den Weg geben: Lasst euch überraschen.

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Das Buch habe ich zu Weihnachten bekommen. Für die Rezension habe ich kein Geld erhalten.
Der nachfolgende Link führt zur Internetseite des Verlages.

Die geheime Bibliothek von Daraya
von Delphine Minoui
aus dem französischen von Nathalie Lemmens
Benevento Verlag

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