Rezension

Die Stille des Todes von Eva Garcia Saenz + Fazit zur Netflix Verfilmung

Es gibt sie, diese Bücher, die einen gleichzeitig faszinieren, aber auch die Augen rollen lassen. Wahnsinnig spannend schafft es Eva Garcia Saenz eine Geschichte vor so einer großartigen Kulisse aufzubauen. Zum ersten Mal in meinem Leben fand ich den Schauplatz eines Thrillers so großartig, dass ich ihn irgendwann einmal besuchen möchte. Und so steht Vitoria, im Baskenland, nun auch auf meiner Reise-Wunschziel Liste.

Auf „Die Stille des Todes“ bin ich per Zufall gestoßen. Und zu meiner sehr großen Freude hat Spotify die Hörbücher alle drei Teile der Reihe im Programm. Uve Teschner liest die Geschichte ganz großartig!

Und doch kann ich die Geschichten mit Inspektor Ayala irgendwie nur mit einem Augenzwinkern betrachten. Sehr intensiv, rasant, unheimlich spannend wird erzählt. Es hat mich gefesselt. Ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht und habe das Hörbuch quasi in jeder freien Minute hören wollen. Es hat mich so prima unterhalten, dass ich über die Absurdität der Auflösung einfach hinweggesehen habe und zum nächsten Teil gegriffen habe. Aber fangen wir vorne an.

In einer kleinen Stadt im Baskenland, Vitoria, werden zwei Leichen gefunden. Sofort ist das kleine Städtchen in heller Aufruhe. Bereits vor 20 Jahren ereilten Ritual-Doppelmorde gleichen Musters die Stadt. Doch der vermeintliche Täter von damals sitzt, auch heute noch, in einem Hochsicherheitsgefängnis. Sitzt also der falsche Mann hinter Gittern?
Inspektor Ayala und seine Kollegin Ruiz da Gauna beginnen mit den Ermittlungen.
Mir gefiel die Atmosphäre in der alten Stadt und gerade beim Hörbuch sind mir auch die klangvollen Namen sehr positiv aufgefallen. Die Autorin schaffte es einfach unheimlich gut mich in ihren Bann zu ziehen und berichtet so lebendig von Vitoria, dass man dort hinmöchte. Die Altstadt und lokalen Traditionen sind ganz intensiv in die Geschichte eingebaut, dass man meint sich nach einer Weile gut dort auszukennen.
Beim Erzählen der Geschichte werden sowohl der aktuelle Fall, als auch zurückliegende Ereignisse und die privaten Verstrickungen des Ermittlers so elegant miteinander verwoben, dass ich wirklich erstaunt war, was für ein Kaninchen als Lösung am Ende aus dem Hut gezaubert wurde. Wie gesagt, absurd und unrealistisch, aber ich habe mich bei einem Thriller auch selten so gut unterhalten gefühlt. An dieser Stelle möchte ich aber noch anmerken: Das gleiche Problem trat auch in Teil zwei auf: Spannend, intensiv, rasant, aber wieder völlig absurdes Ende.
Manchmal war es so verrückt, dass ich laut auflachen musste. Aber es kann doch keine schlechte Geschichte sein, wenn ich davon auch so viel gute Laune bekomme, oder?

Ich würde Die Stille des Todes jetzt nicht als Feel-Good-Roman bezeichnen, aber ich mochte es unheimlich gerne die Figuren im zweiten Teil wiederzutreffen. Das atmosphärische Städtchen und die Figuren sind einem doch sehr gut ans Herz gewachsen. Und das bei einer Erzählung über Ritualmorde.
Mir ist im Übrigen selten ein Thriller, der aus der Ich-Perspektive des Ermittlers erzählt ist,  so positiv im Gedächtnis geblieben.

Erst letztens habe ich mir die spanische Verfilmung auf Netflix angeschaut. Ich persönlich finde, dass es aus vielerlei Hinsicht eine schlechte Verfilmung ist.
Es fing für mich schon bei der Besetzung einer der Hauptfiguren an. Ich fand dass die Schauspielerin einen sehr guten Job gemacht hat, aber leider mehr als 10 Jahre zu alt für die Rolle war. In der Verfilmung mag es vielleicht nicht so stark aufgefallen sein, aber im Buch spielte das Alter, auch in Bezug auf die Ritualmorde eine große Rolle. Deswegen fiel mir das direkt als aller erstes negativ auf.
Außerdem kam die Auflösung des Täters hier viel zu schnell. Im Buch puzzelt sich die Geschichte hinter den Morden langsam zusammen und ca. im letzten Viertel des Buches erfährt man wer der Täter ist. Im Film war es genau umgekehrt. Nach ca. 20 Minuten wird der Täter dem Zuschauer bereits gezeigt und dann puzzeln sich die Hintergründe noch nach und nach zusammen. Ich fand, dass dadurch sehr viel Spannung verloren gegangen ist.
Wie immer kann man sagen, dass ein so dickes Buch eben schlecht in 120 Minuten wiedergegeben werden kann. Ich fand allerdings leider, dass hier tatsächlich viel verloren gegangen ist. Die gesamte Hintergrundgeschichte wurde auf 2 Minuten Screenzeit reduziert und ist insgesamt auch nicht so gut dargestellt worden. Außerdem fehlte mir das Gefühl zum Abschluss des Films. Das atmosphärische und die Dynamik zwischen den Figuren konnte ich hier nicht so nachempfinden. Für mich also leider keine gute Verfilmung.

Abschließend möchte ich sagen, dass mir Die Stille des Todes und Das Ritual des Wassers von Eva Garcia Saenz sehr gut gefallen haben. Guckt nicht den Film. Guckt ihn nur wenn ihr zu viel Langeweile haben solltet und selbst dann gibts auf Netflix eigentlich genug andere Sachen, die man sich stattdessen anschauen könnte. Wenn ihr das Buch lesen oder hören wollt, guckt den Film auf gar keinen Fall vorher.


Anzeige

Das Hörbuch habe ich bezahlt. Für die Rezension habe ich kein Geld erhalten.
Der nachfolgende Link führt zur Internetseite des Verlages.

Eva Garcia Saenz | Die stille des Todes
aus dem Spanischen von Alice Jakubeit
Hörbuch im Argon Verlag | gelesen von Uve Teschner
Fischer Verlag | 576 Seiten

Das Beitragsbild wurde mit Hilfe von Canva erstellt.

2 thoughts on “Die Stille des Todes von Eva Garcia Saenz + Fazit zur Netflix Verfilmung

  1. Ein Glück habe ich das gelesen, bevor ich über die Netflix Verfilmung gestolpert bin. Aber ja die Bücher sind einfach cool. Fand sie auch sehr überraschend. Ja es macht auch Spaß Thriller zu lesen 🙂
    liebe Grüße
    Sandra

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.