Gier mit Marc Elsberg und Ranga Yogeshwar

 

Laut der Anmoderation des Abends, erwartete uns einer der Höhepunkte der diesjährigen LitCologne. Bei mir blieb nur Ernüchterung zurück.

Die Karten für den Freitagabend mit Marc Elsberg und Ranga Yogeshwar hatte mein Freund zu Weihnachten bekommen. Er hat alle drei Vorgängerbücher gelesen, ich nur Blackout und Zero, aber wir waren beide sehr gespannt auf die durchaus sympathische Kombination unserer Gastgeber. Leider fand ich den Abend einfach nicht sehr gelungen und ich möchte meine Eindrücke der Veranstaltung gerne mit euch teilen und auch begründen.

Der Einstig war relativ typisch: Wie kam Marc Elsberg zum Schreiben, woher kamen die Ideen. Alles soweit gut. Es wurde am Anfang sehr viel über Blackout, sein vermutlich bekanntestes und erfolgreichstes Werk geredet – Zum Kennenlernen des Autors sehr nett, aber Marc Elsberg hat sich sehr schnell in seinen Erzählungen verloren. Den Übergang zum Werk, um das es an diesem Abend eigentlich gehen sollte fand ich nicht gelungen. Bei mir wurden sehr viele Handlungsstränge aus Blackout aufgefrischt, während Gier leider nur angerissen wurde sodass ich am Ende des Tages nicht mehr wusste, als die Dinge, die sowieso bereits im Klappentext stehen.

Marc Elsberg erzählte viel zu seiner Recherche und was für nette mathematische Rätsel uns im Buch erwarten. Auch hier verlor er den roten Faden. Ich habe ihm seine eigene Neugier und persönliche Begeisterung sofort abgenommen. Der Mann ist sehr authentisch, aber für mich war das Abschweifen vom Thema einfach too much. Für mich war der Abend mehr wissenschaftliche Abhandlung, als Vorstellung des Buches.

Wir wurden inhaltlich in keinster Weise angefixt. Wenn ich das Buch nicht bereits vorher gekauft hätte, hätte ich am Ende des Abends nicht zwingend Lust gehabt oder großen Wert darauf gelegt das Buch im Anschluss zu kaufen. Marc Elsberg hat sich und das Buch angepriesen, als sein komplexestes Werk. Sich selbst hat er aber nicht gut verkauft.

Was mich an Ranga Yogeshwar ein wenig gestört hat: Der Abend und das Gespräch zwischen den beiden war offensichtlich sehr gut geplant (erkennbar unter andere an der vorbereiteten Power Point Präsentation). Ich will nicht sagen gestellt, aber sie waren schon sehr gut abgesprochen. Trotzdem hatten wir mehrere Dinge nicht: vernünftiges Interview, ausgeglichene Redeanteile und keine sehr gute Moderation. Ich weiß dass Ranga Yogeshwar in erster Linie Wissenschaftler und kein Moderator ist, aber er hat auf jeden Fall mehr Medienerfahrung und war an diesem Abend für die Moderation verantwortlich und ganz krass ausgedrückt: Er hat Marc Elsberg zu viel labern und abschweifen lassen.
Bei einem Interview bzw. bei einer Buchvorstellung erwarte ich durchaus, dass der Autor mehr redet als sein Gegenüber. Ich erwarte kein 50:50 Gespräch, aber meine subjektive Wahrnehmung war 20% Yogeshwar und 80% Elsberg. Gefühlt war es noch weniger Redeanteil für Yogeshwar (vielleicht rede ich mir die Sache auch selbst madig), aber in jedem Fall sehr unausgeglichen. Zudem habe ich die Parts von Ranga Yogeshwar auch als sehr viel angenehmer und lockerer empfunden.

Unabhängig davon, dass mir der Abend keinen Anlass für eigene Fragen bot, fand ich es Schade, dass der Abend generell ohne Publikumsfragen endete.

Letztlich  musste ich auch noch unfreiwillig den Veranstaltungssaal auf aller schnellstem Wege verlassen, weil es so unsagbar heiß war. So schlechte Luft, bei so vielen Menschen. Es ist eigentlich schade, wenn man am Ende eines solchen Abends so schnell gehen muss, man dann aber so oder so keinen Wert darauf legt sich fürs Signieren anzustellen. Ich wollte wirklich nur noch da raus.

Zum Abschluss möchte ich noch mal sagen, dass es sich hierbei um meine subjektive Wahrnehmung handelt, andere mögen es toll gefunden haben einen wissenschaftlichen Vortrag bekommen zu haben. Mein Freund möchte beispielsweise einen der vorgestellten mathematischen Versuche nachprogrammieren, da ich das aber weder kann noch mich so sehr dafür interessiere, fand ich das ziemlich zäh. Marc Elsberg selbst erwähnte, dass er sich seit seiner Matura nicht mehr groß mit Mathematik dieser Art beschäftigt hatte und da das Buch als Thriller und nicht als Thriller für Wissenschaftler und Mathematiker beworben wird, so muss ich ja doch auch davon ausgehen, dass Menschen im Publikum sitzen, die sich trotz der Begeisterung des Autors, nicht so sehr und tief für die Materie interessieren. Ich wollte ja auch eigentlich gerne das Buch lesen und nicht vorher einen Mathe I Kurs an der Uni belegen müssen.

Nichts desto trotz werde ich das Buch vermutlich auch zeitnah lesen wollen. Der Abend spricht dem Autor ja nicht ab gut schreiben zu können.

Habt ihr schon ein Buch von Marc Elsberg gelesen?
Liebe Grüße

Chrissi

Kommentare

  1. Wie schade, dass Dich der Lesungs-Abend nicht mitreißen konnte.

    Ich verstehe total, dass die Konzentration und auch das Interesse leiden, wenn es zu warm ist und schlechte Luft herrscht. Das ist auch etwas, mit dem ich nicht gut klarkomme. Da waren die Voraussetzungen schon mal denkbar schlecht.

    Ich finde eine Redezeit-Auftreilung zwischen Moderator und Autor von 20 % zu 80 % eigentlich optimal. Für meinen Geschmack muss der Moderator nur Anstöße geben und ein paar Schlagwörter liefern. Wenn dann der Autor von alleine ausschweifend erzählt, finde ich das eher gut. Allerdings sollte dann auch wirklich der Autor interessant erzählen und nicht nur der zu kurz gekommene Moderator einen fesseln können. Wenn ich zu einer Lesung von Gier gehe, möchte ich ehrlich gesagt auch nicht besonders viel über Blackout hören – auch wenn das mein Lieblingsbuch des Autors ist.

    Ich war bisher bei zwei Lesungen von Marc Elsberg (zu Blackout und Zero), bei denen es gar keinen Moderator gab und bei denen fand ich, dass der Autor es sehr gut allein gemacht hat. Da gab es auch reichlich Gelegenheit, eigene Fragen loszuwerden, aber meiner Erfahrung nach geht das bei kleineren Veranstaltungen (wie die, die ich besucht habe) eher als bei großen Events.

    Jetzt bin ich gespannt, wie Dir nach der durchwachsenen Lesung das Buch gefällt. Ich fand die wirtschaftlichen Zusammenhänge gut für Laien erklärt und nicht zu wissenschaftlich. Mal sehen, was Du sagst.

    LG Gabi

    • Chrissi

      Hallo Gabi,
      ich weiß noch nicht wann genau ich das Buch lesen werde, aber ich habe es auf jeden Fall noch vor.
      Es war für mich einfach ein sehr misslungenes Gesamtpaket und mich hat das sehr ausschweifende schon ziemlich gestört. An einigen Stellen hätte ich mir halt mehr Fokus auf dem Buch gewünscht.

      Liebe Grüße
      Chrissi

  2. Das ist echt schade, dass dir die Lesung nicht gefallen hat. Kann deine Kritik aber gut nachvollziehen. Das wäre auch nicht mein Thema gewese bzw. schalte ich bei solchen mathematischen Dingen auch schnell ab. Ist einfach nicht mein bevorzugtes Unterrichtsfach gewesen, da habe ich dann doch andere Stärken xD. Denke aber auch, dass das sicherlich für den einen oder anderen interessant war, aber bei so einer Lesung sollte man ja schon eher die Masse ansprechen, als einzelne Personen.

    Persönlich war ich ja noch nie auf einer Lesung, weiß deshalb immer so gar nicht was ich mir darunter dann vorstellen soll. Dachte aber, dass persönliche Fragen da immer dazu gehören? Gerade weil es da dann ja auch mal ungewöhnliche oder lustige Fragen gibt, die die Stimmung etwas auflockern.

    Dankeschön für dein liebes Kommentar Chrissi,
    kann ich aber gut verstehen, mittlerweile ist schon viel was da im Monat neu hinzukommt. Als App kann ich dir ja TV Time empfehlen, da bekommst du auch angezeigt wann Serien pausieren, was ich ganz praktisch finde. Schaue ja einige Serien kurz nach US-ausstrahlung bei Netflix und Prime und so weiß ich dann immer, wann ich mit einer neuen Folge rechnen kann. Wünsche dir aber viel Spaß dabei deinen Tracker im Bulett Journal anzulegen :).

    Ich schaue aktuell ja immer ne Serienfolge zum Frühstück. Ist für mich ein kleines Ritual und in den Semesterferien kann ich das auch ausleben. Ändert sich aber mit dem Start der Uni dann wieder :D. Solange genieße ich das jetzt noch.

    • Chrissi

      Hallo Nicole,

      ich habe es bisher eigentlich nicht erlebt, dass man bei einer Lesung dem Autor keine Fragen stellen konnte. Das ist ja eigentlich auch ein sehr spannender Programmpunkt!

      Da ich leider so gar kein Frühstücksmensch bin (außer an meinen freien Tagen) bringt mir Serie gucken bei Frühstück leider nix 😀 Aber ich habe das eine Weile, als ich noch sehr späte Schichten hatte, auch gemacht!

      Liebe Grüße
      Chrissi

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