Sara Collins – Das Geständnis der Frannie Langton

Das Buch habe ich vom Verlag als Leseexemplar erhalten. Die Rezension beinhaltet ausschließlich meine persönliche Meinung. Für den Beitrag habe ich kein Geld erhalten.

Themen: Rassismus, Homosexualität, Bisexualität
Triggerwarnung: Opiate und Drogensucht

Im Jahr 1926 steht das schwarze Dienstmädchen und ehemalige Sklavin Frannie Langton in London vor Gericht. Sie soll ihren Herren und ihre Herrin umgebracht haben. Im Haushalt der Familie Benham hat sie keine Freunde. Alle Aussagen belasten sie schwer. Doch Frannie beteuert Mr. und Mrs. Benham nicht ermordert zu haben. Sie hat Madame geliebt und legt ein Geständnis ab.

Frannie beginnt ihre eigene Geschichte bereits zwischen 1912 und 1925 auf Jamaika. Auf einer Zuckerrohrplantage lebte sie als Sklavin, bis Mr. Langton sie mit Sieben Jahren zu sich ins Haus holt und ihr Lesen und Schreiben beibringt. Dieses unerwartete Privileg bedeutet jedoch nicht nur Gutes. Mrs. Langton gefällt es ganz und gar nicht sie im Haus zu haben und Frannie wird von ihr regelmäßig geplagt. Noch größere Angst hat sie jedoch vor den Vorgängen im Kutschenhaus. Mr. Langton arbeitet dort an seinen Forschungen. Bald schon dient Frannie ihm als Schreibkraft.

Als die Zuckerrohrplantage abbrennt und Mr. Langton in finanzielle Not gerät, reisen er und Frannie nach London, wo sie bei den Benhams als Dienstmädchen unterkommt.

Auch in London hat sie es nicht leicht. Als einziges schwarzes Dienstmädchen im Haushalt der Benhams, die noch dazu Lesen und Schreiben kann, wird sie von der Hauswirtschafterin besonders kritisch im Auge behalten. Doch auch Mrs. Benham hat ein Auge auf Frannie geworfen. Es dauert nicht lange, da wird Frannie zu ihrer persönlichen Zofe und Geliebten.

Das Geständnis der Frannie Langton beschreibt eine Gesellschaft im Umbruch zwischen Kolonialherrschaft und der Freilassung von Sklaven zu Beginn des 20. Jahrhunderts anhand des Schicksals einer jungen Frau. Frannie, ausgebildet und intelligent, verliert sich mit ihrem Dickkopf in den Normen der Gesellschaft. Sie quält sich selbst mit der Frage, warum Mr. Langton sie einfach so weggab und ist gleichzeitig fasziniert von ihrer neuen Herrin Mrs. Benham. Das erste Mal in ihrem Leben verspürt sie zu wissen, was Liebe ist.

Neben Frannies innerem Kampf zeigt das Buch aber auch, wie manifestiert der Rassismus bereits früher war. Glaubte Frannie zunächst die Aktivitäten im Kutschenhaus wären sexueller Natur, forscht Mr. Langton dort an Gehirnen toter Schwarzer, um seine These zu untermauern, dass die Größe des Gehirns den Intellekt bestimmt. Auch in London ist sie als schwarzes Dienstmädchen direkt als Hexe verschrien, dass Mr. und Mrs. Benham sie trotz kleinerer Vergehen dennoch in Schutz nehmen, macht sie bei den anderen Angestellten nicht gerade beliebter.

Auf Grund ihrer im letzten Drittel des Buches zunehmenden Opiumsucht, weiß Frannie zu den Ereignissen der Mordnacht erst nichts zu sagen. In ihrem Rausch kann sie sich an nichts erinnern. Als Leser musste ich mir also im Laufe des Romans selbst ein Bild darübermachen, ob sie schuldig ist oder nicht.

Fazit

Das Buch erzählt zunächst den beginnenden Gerichtsprozess, dann setzt Frannie mit ihren Erzählungen in Jamaika ein. Mir waren die ersten 100 Seiten zunächst ein bisschen zäh. Ich wusste auch nicht, warum das alles relevant sein könnte, bis mir später ein Licht aufging. Ein ruhig erzähltes, jedoch raffiniertes Debüt von Sara Collins.


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Das Buch habe ich vom Verlag als Leseexemplar erhalten. Für die Rezension habe ich kein Geld erhalten.
Der nachfolgende Link führt zur Internetseite des Verlages.

Sara Collins | Das Geständnis der Frannie Langton
Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
Droemer Knaur | 430 Seiten

 

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