Sylvia Schaab – Es geht auch ohne Plastik

Das Buch habe ich vom Verlag als Leseexemplar erhalten. Die Rezension beinhaltet ausschließlich meine persönliche Meinung. Für den Beitrag habe ich kein Geld erhalten.

Als ich vor drei Jahren bei meinen Eltern ausgezogen bin, habe ich mir von Anfang an die Frage gestellt: Wie möchte ich eigentlich leben? Ich hatte von Anfang an das Bestreben ein paar Dinge anders zu machen. Das kennt doch jeder, der Zuhause ausgezogen ist, oder nicht? Bei mir fing es in Münster schon damit an, dass ich mehr Fahrrad und weniger Auto gefahren bin und mein Gemüse gerne lose gekauft habe. Das ist ein Anfang, aber wenn man seinen Müll reduzieren und seinen CO² Abdruck wirklich verkleinern möchte, dann reicht das nicht.

Jetzt befasse ich mich seit einem halben Jahr sehr intensiv damit aktiv und bewusst auf Plastik zu verzichten und Es geht auch ohne Plastik bietet einen guten Einstieg, wenn man das versuchen möchte.
Für mich persönlich kommt das Buch ein paar Monate zu spät. Viele Dinge mache ich schon aktiv, aber es bestätigt mich in meinem Tun. Wer also auch anfangen möchte, für den ist das Buch perfekt.

Die Aufteilung ist sehr übersichtlich und sehr gut gelungen. Am Anfang haben wir ein paar grundsätzliche Sachen, warum es so wichtig ist auf Plastik zu verzichten und Einführendes, wie man am besten startet. Das Buch behandelt Kapitelweise die einzelnen Lebensbereiche: Einkaufen, Kochen, Sauber machen, Badezimmer… Und jedes Kapitel hat sowohl theoretische als auch praktische Hinweise und Rezepte. Zudem unterscheidet die Autorin bei allen praktischen Hinweisen in verschiedene Stufen, in denen man sich von weniger zu wenig bis gar keinem Plastik vorarbeiten kann. Das einzige, was mich bei dieser Stufeneinteilung gestört hat waren die Bezeichnungen. Vermutlich war es lustig gemeint, aber für mich war es ein bisschen wertend, wenn zwischen Für Eilige, Für Experimentierfreudige, Für Puristen, Für Mutig oder Für Gründliche unterschieden wird. Diese Einteilung hätte für mich werteneutraler geschehen müssen.

Ich stimme Sylvia Schaab total zu, wenn sie schreibt, dass wir vieles das wir besitzen eigentlich gar nicht brauchen (S. 60). Jeder der sich noch nicht so wirklich mit seinem Konsumverhalten auseinandergesetzt hat, dem kann ich das Buch nur empfehlen, da es viele praktische Tipps gibt und Impulse in die richtige Richtung. Nicht alles kann von Anfang an perfekt funktionieren, aber man sollte auf jeden Fall anfangen! Ihre 30-Tage-Challenge ist für einen solchen Anfang konzipiert.

Nachdem man sich also durch das Buch gearbeitet hat folgt am Ende ein Leitfaden zur Umsetzung. Schaab teilt 30 Tage in fünf Fokusbereiche, die sich an ihrer Kapiteleinteilung orientieren:
Bewusstsein schärfen – Dinge besorgen
Fokus: Küche /Haushalt
Fokus: Bad/ Kosmetik
Fokus: Wohnen/ Kinderzimmer/ Büro
Fokus: Kleidung/ Abschluss

Für jeden Bereich gibt es Tage, an denen man sich noch mal theoretisch vorbereitet und an denen man aktiv etwas ändert. So arbeitet man sich vorsichtig in ein Leben ohne Plastik.
Ich habe die Challenge selbst nicht so umgesetzt, weil ich in vielen Bereichen schon auf dem richtigen Weg bin und meine Schwächen bereits kenne.

Mit einigen Dingen, wie zB. Waschmittel habe ich mich bisher nur theoretisch auseinandergesetzt, weil ich auch noch eine Menge Waschmittel im Haus hatte und dieses einfach wegzuschmeißen ist auch Ressourcenverschwendung. Das empfiehlt sie im Übrigen auch nicht! Bereits vorhandene Sachen aufbrauchen ist genauso bewusster Konsum. Das gilt auch für andere Lebensbereiche. Ich schmeiße ja jetzt nicht bereits gekaufte Lebensmittel einfach weg, nur weil ich sie auf Vorrat in Plastik gekauft habe (z.B. Müsli).

Ich hätte den Beitrag gerne beendet mit einem Absatz a la: „Wer nach dem Buch noch nicht genug hat, der kann sich durch Sylvia Schaabs Blog klicken“, aber um den Blog, als solchen und zusätzlichen Input wahrzunehmen, müsste für mein Empfinden dort auch mehr Input kommen. Es ist auf gar keinen Fall 1:1 das Buch. Ich würde also nicht abraten, das Buch zu kaufen, weil ihr Blog ausreicht. Das bietet der Blog auf gar keinen Fall. Da ist das Buch bei weitem fundierter und detaillierter, aber wenn man das Buch bereits gelesen hat, dann bietet der Blog mir auch keinen Mehrwert.

Zum Abschluss möchte ich eine Aussage von Schaab aufgreifen mit der ich jedoch nicht so ganz konform gehe: „Das Argument, dass man sich unverpackt nicht leisten kann, gilt […] nicht.“ (S.55)

Sorry, aber das stimmt nicht. Ich glaube, was sie dabei auch vergisst: Sie kauft für eine fünfköpfige Familie. Alleinstehende kaufen nun mal auch nicht für ein halbes Jahr im Vorrat und frieren dann noch ein. Auch den Vorratsplatz dafür muss man erst einmal haben. Das ist für mich total an der Realität vorbei und es hat nun mal auch nicht jeder das Geld es so konsequent zu machen. Zu sagen: Das kann sich jeder leisten ist sehr privilegiert und falsch. Ich habe das Privileg, dass es bei uns in der Nähe eine Milchtankstelle gibt und kann es mir auch leisten dort die etwas teurere Milch zu kaufen, aber das kann längst nicht jeder. Zumal es auch ein zeitlicher Faktor ist jedes Mal extra dorthin zu fahren. Wenn ich da an Alleinerziehende denke, oder Menschen die noch mehr arbeiten als ich: Da kommt dann also noch der zeitliche Faktor ins Spiel. Für mich ist es vielleicht was Entspannendes, wenn ich mich in die Küche stelle, mir die Rohmilch erst abkoche und dann Joghurt selbst mache und dabei ein Hörbuch höre. Das ist ein Privileg und kann nicht jeder!

Wer sich mit aktiv mit Leben ohne Plastik auseinandersetzen möchte und bis jetzt noch kein Buch zu dem Thema hat, dem kann ich Es geht auch ohne Plastik als Einstiegswerk empfehlen. Gerade der Aufbau der Challenge zum Schritt für Schritt heranführen an das Thema finde ich sehr gelungen. Für erfahrenere Plastikvermeider wird hier nicht viel mehr stehen, als man vielleicht schon weiß. Für mich gab es lediglich ein Kapitel mit völlig neuem Input.


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Das Buch habe ich vom Bloggerportal als Leseexemplar erhalten. Die Rezension beinhaltet ausschließlich meine persönliche Meinung. Für den Beitrag habe ich kein Geld erhalten.
Der nachfolgende Link führt zum Bloggerportal, zur Internetseite des Verlages und zum Blog der Autorin

Sylvia Schaab | Es geht auch ohne Plastik
Grüner wird’s (n)immer
Goldmann | 385 Seiten
Bloggerportal der Verlagsgruppe Random House

Kommentare

  1. Ein sehr interessantes Buch. Ich finde es wirklich gut, es sich bewusst zu machen, wie man Plastik, aber auch anderen Müll reduzieren und vermeiden kann. Ich wohne zum Glück auch so günstig, dass wir viele Höfe zum Einkaufen haben. Aber auch im Supermarkt, kaufe ich bei Gemüse und Obst die unverpackten Dinge 🙂
    bei anderen Sachen versuche ich es auch weiterhin zu reduzieren. Aber wie du halt sagtest, der zeitliche Faktor, der Platz für eine Vorratshaltung und für wie viele Personen kaufe ich ein, spielen durchaus eine Rolle.
    Danke für den interessanten Buchtipp.
    liebe Grüße
    Sandra

    • Chrissi

      Liebe Sandra,

      vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Ich glaube, dass es eben nicht für jeden so einfach ist wie für uns und das muss sich jeder andere dann auch bewusst machen. Trotzdem gebe ich mein Bestes und bin jeden Tag dabei mich ein Stück zu verbessern.

      Liebe Grüße
      Chrissi

  2. Hallo Chrissi,
    irgendwie bin ich, was diese ganzen „ohne Plastik“-Bücher angeht total skeptisch. Letzten Endes ist es nicht so schwierig, sich durch eigene Überlegungen von Plastik oder anderem Müll zu befreien, wenn man das denn wirklich möchte. Ich bin nicht der Ansicht, dass man dazu wirklich ein Buch benötigt und halte diese ganzen Bücher eher für Geldschneiderei. Gefühlt jeder springt jetzt gerade auf den Zug auf und veröffentlicht ein Buch dazu. Aber gut, die Bücher finden sicher ihre Käufer.
    Ich wünsche dir eine schöne Woche
    LG
    Yvonne

    • Chrissi

      Hallo Yvonne,

      Du hast vollkommen Recht. Aktuell springen diese Bücher wie Pilze aus dem Boden. Ich glaube aber schon, dass es einige Menschen gibt, die sich da wirklich noch nie zu Gedanken gemacht haben und diesen Anstoß brauchen!
      Letzten Endes bringt das Buch nur eine Hilfestellung und die fand ich bisher ganz nützlich.

      Liebe Grüße
      Chrissi

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