Neues Futter für ausgehungerte Leseratten

Frischer Wind in die Bude, das können wir doch alle mal gebrauchen. Mir geht der Lesestoff zwar noch nicht aus, aber ich musste ja doch die meisten meiner Schätze vorerst in Münster lassen. Aktuell weiß ich gar nicht genau wo ich meine Bücher alle „lagern“ soll, aber mir fehlt ein wenig meine natürliche Umgebung. Wenn ich den Schreibtisch allerdings noch weiter zustelle, dann komme ich die Tage gar nicht mehr an meine Tastatur. Das wäre dann auch etwas schlecht, nicht wahr?

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Theresia Graw – Das Liebesleben der Suppenschildkröte

Theresia Graw | Das Liebesleben der Suppenschildkröte
blanvalet | 317 Seiten | 4/5 Punkte

In der Liebe ist alles erlaubt… oder?
„Singlefrau mit zwei kleinen Kindern sucht Mann“ – zieht man damit einen Traumprinzen an Land? Eher nicht. Zu diesem Schluss kommt zumindest Sophie, nachdem der jüngste potenzielle Liebhaber von ihrem Nachwuchs Reißaus genommen hat. Als die Münchener Lokalreporterin bei einem Auffahrunfall den schicken Anwalt Roland kennenlernt, verschweigt sie die lieben Kinder daher kurzerhand – ganz à la Suppenschildkröte, die ihre Brut allein am Strand zurück lässt. Sobald Roland sich in sie verliebt hat, wird Sophie ihm reinen Wein einschenken. Eine winzige Schwindelei, die spektakulär nach hinten losgeht…

Erster Eindruck
Wahrscheinlich halten mich viele für verrückt, aber das Cover und die gesamte Aufmachung des Buches hatten mich sofort in ihrem Bann. Hallo? Das ist ne ultra coole Schildkröte! Naja, Lila ist nicht gerade so meine Farbe, aber sie schaut einfach toll aus. In der Innenseite des Buches, vorne und hinten sind nocht weitere, kleinere Schildkröten abgebildet und die Papier, aus dem das Buch gemacht ist, fühlt sich in der Hand echt sehr schön an. Während viele Bücher ja eine eher glatte Oberfläche haben, fühlt sich dieses Buch eher an wie aus Pappe. Insgesamt ein sehr guter Pluspunkt!
Der Klapptext hingegen haut einen nicht unbedingt um, verspricht aber ein nettes Buch für zwischendurch. Zumal: Wie kann man diesem Buch widerstehen wenn das Blog-Maskottchen ne Schildkröte ist, hm?
Meine Meinung
Ich und ein Buch in der Ich-Perspektive? Ja, das ist schon ein heikles Thema. In diesem Buch, hat es super gepasst und mir sehr gut gefallen. Mit dem Prolog, wo sich Single-Mutti Sophie versucht auf einer Partnervermittlungs-Webside anzumelden und sich dann dagegen entscheidet, hatte sie mich direkt in ihre Bann. Ratz-Fatz flogen die Seiten dahin. Aus der Hand gelegt habe ich das Buch nur zum Schlafen.
Kitschig? Nein, irgendwie so gar nicht. Auch wenn ich damit gerechnet hatte. Stattdessen überzeugt das Buch mit Situationskomik und einer Menge gut verpackter Klischees. Auch wenn man meinen sollte, dass diese vielleicht schon nicht mehr der Rede Wert sind. Die Situation mit dem Haustier als Geburtstagsgeschenk fand ich dann doch aus dem normalen Leben gegriffen. Sehr gut! Das ist das gleiche wie mit süßen Kätzchen und Hunden zu Weihnachten! Geht gar nicht! Zumal sich der Exmann hier auch gut rausjongliert. Das Kind soll doch Verantwortung übernehmen… Schon mal jemand gesehen wie viel Spaß eine 5-jährige am Käfig putzen hat?
Es muss eben nicht alles Quietschig sein. In diesem Buch findet mit Sicherheit jeder irgendeine Situations in der er sich selbst wiederfindet!
Das Leitbild des Buches ist, wie bereits der Titel sagt: Die Suppenschildkröte, die ihre Eier im Sand verbuddelt und sie dann sich selbst überlässt um wieder ins Meeer zu verschwinden. Die Idee die dahinter steckte fand ich ganz gut gemacht, trifft aber auf unsere Protagonistin eigentlich überhaupt nicht zu und es ist eigentlich sogar sehr unfair sie als solche zu bezeichnen, da sie auf allen Ebenen im Buch eigentlich immer ihre beiden Kinder vor alles andere stellt.
Fazit
Nah am Leben und mit durchgehend sehr viel Spaß begleitete man Sophie bei ihrem neuen Karriere- und Liebesabenteuer. Zudem überzeugt das Buch mit einem sehr unerwarteten Ende! Hätte ich tatsächlich so nicht erwartet und hebt das Buch damit von vielen anderen 0815 Geschichten ab! Klapptext und Aufmachung des Buches sprechen definitiv für sich. Für Zwischendurch und Vollzeit-Muttis absolut empfehlenswert!

Liz Balfour – Emmas Geheimnis

Liz Balfour | Emmas Geheinis
Heyne | 367 Seiten  | 2/5 Punkte
Zwei Frauen, eine tragische Liebe und ein dunkles Geheimnis
Kate will eigentlich nur vergessen. Nach dem Tod ihres Mannes Brian vor einem halben Jahr hat sie sich in ihr Heiatsdorf an der Küste Irlands zurückgezogen. Mit der Unterstützung ihrer Eltern und ihrer Jugendliebe Sam kommt sie langsam zur Ruhe.
Eines Tages steht plötzlich ihre Schulfreundin Emma vor der Tür. Die beiden Frauen knüpfen an vergangene Zeiten an, doch Emma scheint etwas zu verheimlichen. Kurz darauf macht Kate eine unangenehme Entdeckung, die ihr bisheriges Leben vollkommen in Frage stellt, und ihr wird klar: Wenn sie wirklich neu beginnen will, muss sie sich mit der Vergangenheit aussöhnen.
Meine Meinung

Das Cover hat für mich etwas sehr romantisches und ist mir daher letzten Herbst im Katalog auch sehr gut in Erinnerung geblieben.

Da ich ja sehr gerne Bücher mit Familiengeheimnissen usw. stehe war es auch nur eine Frage der Zeit bis ich das Buch als das meine bezeichnen durfte. Schreibstil und Dialoge sprechen nicht so wirklich richtig für die Autorin, denn die Dialoge konnten mich leider nicht richtig fesseln, waren für mein empfinden etwas zu platt. Zudem konnte ich „Das Geheimnis“ bereits auf den ersten 30 Seiten sehr gut erraten, was ja nicht gerade für ein sehr spannendes Buch spricht. Auch die Charaktere um Kate herum wirkten auf mich manchmal wie aus einem Katalog ausgeschnittene Figuren. Es wurde für eine bestimmte Rolle jemand gesucht und stur nach diesem Verhaltensmuster agierten sie dann auch.

Lediglich die sehr romantische Vorgeschichte von Kate und Brian konnten bei mir minimal Punkten. Sein potenzial konnte das Buch damit aber leider überhaupt nicht ausschöpfen.

Sabine Neuffer – Eine Liebe zwischen den Zeiten

Sabine Neuffer | Eine Liebe zwischen den Zeiten
dotbooks | 319 Seiten | 4/5 Punkte

Mit freundlicher Unterstützung von Blogg dein Buch und dotbooks

Eine Erbschaft führt die Journalistin Lea nach Jahren in London in ihre deutsche Heimat zurück. Als sie das Haus, das ihr hinterlassen wurde, genauer unter die Lupe nimmt, entdeckt sie einen kleinen Verschlag unter der Treppe. Neugierig betritt sie ihn – und hört plötzlich ein gewaltiges Poltern und Klirren. Beunruhigt verlässt sie die Kammer und findet sich mit einem Mal in einem Treppenhaus wieder, das sich vollkommen verändert hat. Nach und nach begreift Lea, dass sie ins Jahr 1938 gereist ist. Eigentlich wll sie so schnell wie möglich in ihre Zeit zurückkehren, doch dann lernt sie den geheimnisvollen Arzt Daniel kennen. Zwichen den beiden entwickelt sich eine Romanze. Aber wie eine dunkle Wolke schwebt die Gefahr über ihnen, den Daniel ist Jude…

Erster Eindruck

Was machte dieses Buch so interessant, dass ich es unbedingt lesen wollte? Die Zeitreise! Und Nein: Wir haben hier weder ein Jugendbuch, eine Sci-Fi oder Fantasy Geschichte. Hierbei handelt es sich in erster Linie um einen „gewöhnlichen“ Roman. Viele würde an dieser Stelle wohl als aller erstes an „Die Frau des Zeitreisenden“ denken. Ich zunächst auch, wobei mir dieses ja nicht so gut gefallen hatte. Daher war ich auf die Umsetzung hier sehr gespannt und wurde auf gar keinen Fall enttäuscht.

Meine Meinung

Ich lese ganz gerne Mal einen historischen Roman, diese spielten aber bisher aber immer ausschließlich in einer ganz anderen Epoche und nur sehr selten würde ich mich an ein Buch ran wagen, dass in die NS-Zeit fällt. Der Roman hier, bei dem natürlich das Hauptaugenmerk auf die Liebesgeschichte liegt, hat es aber dennoch geschafft die Unruhe der Zeit und viele Eindrücke der Problematik einzufangen. Im Vordergrund standen immer die Liebesgeschichte und und Leas Versuche eine „Happy-End“-Lösung für ihre neuen Freunde aus der Vergangenheit zu finden.
Was ich sehr positiv überrascht hat war unter anderem auch die Tatsache, dass wir nicht alle paar Seiten zu lesen bekamen, wie sehr sich die Charaktere liebten und wie sehr sie im Schlafzimmer verschwinden möchten. Die Stimmung der Zeit und die Gefühle der Charaktere zueinander hat die Autorin ganz alleine mit ganz anderen Mitteln super eingefangen und somit den Kitsch aus diesem wundervollen Buch irgendwie geschafft sehr gut heraus zu halten.
Ich weiß nicht ob man das Buch als historisch Korrekt bezeichnen kann. Trotzdem erschienen mir die meisten Dinge realistisch und authentisch. Sehr positiv ebenfalls war für mich das von der Autorin kein Happy-End erzwungen wurde. Das Buch hat ein ganz wundervolles Ende, an das man wohl bis zu letzt gar nicht mehr gedacht hat. Da fragt man sich dann doch: Kann das wirklich zufall sein. Eigentlich nicht! Aber diese Freiheit lassen wir dann ganz getrost der Autorin.

Fazit

Absolut Gefühlvoll und authentisch begleitet uns das Thema Zeitreise durch diesen Liebesroman, bei dem man von Beginn an kein Happy End erwarten kann. Trotzdem überrascht die Autorin zuletzt mit einem so wundervollen Schluss, den man nicht erwartet hat. Ich kann nicht genau erklären, warum ich dem Buch nur 4 von 5 Schildkröten gebe, denn es war wirklich ein sehr sehr tolles Buch. Zum absoluten Wahnsinn fehlte aber dann doch irgendetwas.

Danielle Stevens – Wo die Nelkenbäume blühen

Sanielle Stevens | Wo die Nelkenbäume blühen
Mira Taschenbuch | 380 Seiten | 3/5 Punkte
Mit freundlicher Unterstützung von Blogg dein Buch und Mira Taschenbuch
Trauernd reist Lena nach Sansibar – in das Land, in dem die Nelkenbäume blühen. Auf der Gewürzplantage der Bennetts will sie das Werk ihres verstorbenen Verlobten Andy Bennett beenden und dessen Familiengeschichte aufschreiben.
Doch den Ort, an dem alles begann, droht der britische Geschäftsmann Stephen Alister mit dem Bau eines Luxushotels zu zerstören. Um das Andenken der Bennetts zu bewahren, setzt Lena alles daran, de Plantage zu retten und facht unwissend eine alte Fehde an. Ausgerechnet in der finsteren Vergangenheit liegt der Schlüssel zu einer glücklichen Zukunft für Lena.
Erster Eindruck
Wir haben in diesem Jahr keinen sehr echten Winter, aber Kälte und Nässe sind trotzdem nicht so wirklich meine Freunde. Das Cover alleine lädt irgendwie schon sehr gut in ein Urlaubsfeeling ein und der Klapptext verspricht mir ein Buch auf das ich mich sehr „für zwischendurch“ freue.
Meine Meinung
Das Buch beschreibt die Familiengeschichten auf Sansibar auf zwei Ebenen. Ebene eins ist natürlich die Gegenwart und Ebene zwei spielt Ende des 19. Jahrhunderts. Anfänglich hat mir die zweite Ebene in der Vergangenheit besser gefallen als die Geschehnisse in der Gegenwart. Noch nie zuvor hatte ich mich mit Sansibar beschäftigt und die Ereignisse um den Sklavenhandel und wie sich so langsam eine Fraktion dagegen entwickelte war anhand der Schicksale dreier junger Frauen die aus Deutschland hergekommen waren sehr interessant zu beobachten. Dadurch dass die Haupthandlung natürlich in der Gegenwart lag und die Episoden der Vergangenheit nur zwischengeschoben waren, war man die ganze Zeit sehr gespannt darauf wie es weiter ging.
Besonders authentisch fand ich die Vergangenheitsepisoden auch deswegen, weil diese sich zu Beginn nicht mit Kitsch und Liebeleien beschäftigten.
Die Entwicklungen in der Gegenwart gefielen mir von Beginn an Stückchenweise weniger. Zumal die Protagonisten für ein emfpinden ihr eigentliches vorhaben irgendwie sehr schnell aus den Augen zu verlieren scheint. Es erscheint mir sehr ehrenhaft die Plantage retten zu wollen, doch erfahren wir irgendwie viel zu wenig über die Familiengeschiche, die einem eigentlich ja im Klapptext versprochen wurde. Anfänglich hatte ich ja gedacht dass beide Ebenen irgendwann an einen Punkt kommen würden, wo die Fäden zusammenlaufen, aber das tun sie am Ende dann doch irgendwie nicht. Personen in den Vergangenheitsepisoden tragen zwar wohl die gleichen Nachnamen wie Personen in der Gegenwart, aber der absolute Knotenpunkt, wer da mit wem wie genau zusammenhängt, fehlt.
Das Ende des Buches konnte mich leider überhaupt nicht überzeugen und das auf beiden Handlungsebenen. Zum einen wurde es mir auf der Vergangenheitsebene zu kitschig und ich hätte am Ende viel mehr über die ploitische Entwicklung erfahren wollen und zum anderen gefiel es mir in der Gegenwart nicht wie Lena alle Stricken reißen ließ. Auch die Entwicklung bezüglich ihres besten Freundes gefiel mir nicht. Kam aber letztlich doch irgendwie nicht sehr überraschend. War aber Fehl am Platz.
Ein Happy End gabs ganz am Ende natürlich. Trotzdem war es insgesamt sehr offen, was mir dahingehend gut gefallen hat, dass es kein absolutes „Und wenn sie nicht gestorben sind..“ gab.
Fazit
Ausgesucht hatte ich mir dieses Buch tatsächlich für einen Nachmittag so zwischendurch. Und genau dafür ist es definitiv auch gedacht. Sehr viel von den historischen Hintergründen, die ich sehr interessant gefunden hätte, konnte man also leider nicht erwarten. Es ist also nicht mehr und nicht weniger als das weswegen ich mich auf das Buch gefreut hatte. Eigentlich sehr Schade. Daher gibt es von mir 3 von 5 Punkte.