Martin Olczak – Die Akademiemorde

Martin Olczak ♣ Die Akademiemorde
btb ♣ 480 Seiten ♣  12,99 € ♣ 4/5 Punkte
Stockholm, im Mai: Im weltberühmten Hotel Berns Salonger hat man gerade Strindbergs 100. Todestag begangen. Die Festrede hielt der Ständige Sekretär der Schwedischen Akademie, ein würdiger Mann und ebenfalls angesehener Schriftsteller. Jetzt kurz vor Mitternacht ist er auf dem Weg nach Hause, durch einen abgeschiedenen Park. Hier trifft es ihn unvermittelt, das Schicksal. Hier wird er ermordet. Tatwaffe ist ein altertümlicher Schwarzpulverrevolver, der die Polizei vor Rätsel stellt. Noch bevor sie sich für eine Ermittlungsrichtung entscheiden kann, geschehen am nächsten Tag vier weitere, ebenso schonungslose Morde. Die Opfer: ebenfalls Mitglieder der Akademie, die für die Auslobung des jährlichen Literaturnobelpreisträgers verantwortlich ist. Was treibt den Mörder um? Klar ist, dass die anderen Akademiemitglieder geschützt werden müssen. Klar ist auch, dass hier konventionelle Methoden nicht weiterhelfen. Claudia Rodriguez von der Zentralen Mordkomission ermittelt auf eigene Faust – und gegen den Willen ihrer Vorgesetzten. Statt dessen bittet sie ihren alten Freund Leo Dorfman um Hilfe, einen Buchantiquar …

Mord im Umfeld des Buches. Für jeden Krimi- und Buchliebhaber eine provokative und reizvolle Mischung. Durch alte Legenden und die Welt der Akademie hindurch begleiten wir die Protagonisten auf einer abenteuerliche Reise. Doch um dem Geheimnis der Morde auf die Schliche zu kommen braucht man mehr als ermittlerische Fähigkeiten. Literarisches Fachwissen ist hier gefragt, um dann immer tiefer in die Geheimnisse eines Rachefeldzugs gegen die Akademie abzutauchen.
Meine Meinung
Ein Krimi im literarischen Milieu, diese Idee fand ich äußerst spannend. Der Beginn der Geschichte mit der Feier zum 100. Todestag von August Strindberg schaffte gleich eine etwas altertümliche, nostalgische Atmosphäre. Das Buch hatte mich bereits nach den ersten 10 Seiten völlig in seinen Bann gezogen und war dann sehr schnell gelesen.
Hauptfigur Claudia Rodriguez ist eine interessante Gestalt, die als Ermittlerin zuvor in den Außenbezirken von Stockholm arbeitete. Der Kollege dem sie als Co-Ermittlerin zugeteilt wird, Hedlund, ist davon gar nicht begeistert. Er weist sie zunächst in ihre Schranken, was sich Claudia aber nicht gefallen lässt. Diese unmittelbaren Auseinandersetzungen fand ich amüsant und einfach toll. Sie fehlten mir aber in der Mitte des Buches etwas. Die angespannte Stimmung zwischen den zwei Ermittlern hätte der Autor meiner Meinung nach noch intensiver ausbauen dürfen.
Da alle Spuren irgendwie im Sand verlaufen, wendet sich Claudia an jemanden, der ihrer Meinung nach in den Ermittlungen noch fehlt: Ein Literaturexperte. So zieht sie ihren alten Freund Leo Dorfmann hinzu. Leo, Besitzer eines alten Antiquariates, ist wirklich sehr gebildet und weiß einfach eine Menge zur schwedischen Akademie, ihren Mitgliedern und Literatur. Er ist mir auf der Stelle sympathisch und fasziniert mich mit seinem Wissen, das er stets einfach so eben aus dem Ärmel zu schütteln scheint.
Das Buch war für mein Empfinden sehr liebevoll und detailliert recherchiert. Das fällt einem Vielleser sehr schnell auf und bereitet einfach eine unheimliche Freude beim Lesen. Zwischen den einzelnen Kapiteln wird immer ein Nobelpreisträger für Literatur vorgestellt, mit dem entsprechenden Gewinnerjahr und der Begründung wofür er den Preis erhielt.
Die Ermittlungen führen durch die Geschichte der Akademie, bringen einem alle Einzelheiten um die Vergabe des Literaturnobelpreises und was dahinter steckt in erzählender Weise näher, die sich für mich viel fester ins Gedächtnis setzt, als ein einfacher Sachtext.
Ich würde fast sagen es war ein rundum vollkommener Krimi, wenn mich nicht mal wieder das Ende der Geschichte ein wenig gestört hätte. Das letzte Drittel des Buches, vor der eigentlichen Auflösung aller Rätsel war mir an ein paar Stellen leider etwas zu weit hergeholt. Trotzdem fand ich den roten Faden mit vielen literarischen Hinweisen und Kniffen super gemacht.
 Fazit
Die Akademiemorde ist ein außergewöhnlich interessanter Krimi, mit vielen tatsächlichen Begebenheiten, die für mein Empfinden sehr gut recherchiert sind. Die Charakterkonstellation hat mir sehr gut gefallen. Abgesehen von einigen Stellen im letzten Drittel des Buches: top!

Kristina Ohlsson – Glaskinder

Kristina Ohlsson | Glaskinder
cbt | 222 Seiten | 12,99 € | 4/5 Punkte

Glück und Glas    –

      Wie leicht bricht das?

 

Billie will nicht umziehen, und doch kauft ihre Mutter ein Haus auf dem schwedischen Land, das Billie so gar nicht geheuer ist. Bald schon passieren merkwürdige Dinge und Billie erfährt, dass es in dem Haus immer wieder zu schrecklichen Unglücksfällen gekommen ist. Gemeinsam mit Aladdin, dem Nachbarsjungen, und ihrer besten Freundin Simona macht Billie sich auf, das Rätsel zu lösen.
Und als ihrer Mutter etwas zustößt, müssen die Freunde sich beeilen, denn es heißt, die Glaskinder gehen in dem Haus um und dulden keine neuen Bewohner…

Warum ich das Buch lesen wollte…

Kristina Ohlsson ist mir schon seit längerem ein Begriff. Die Schwedin war im Außen- und Verteidigungsministerium aktiv und veröffentlichte bereits 2009 ihren ersten Krimi Aschenputtel in Schweden. Dieser wurde 2013 von mir bereits begeistert gelesen und rezensiert. Als ich in der Vorschau dann ihr erstes Kinderbuch entdeckt habe war ich Feuer und Flamme. Das Cover selber verrät nicht ganz so viel und gefällt mir in dieser schlichten Art sehr gut.

Das Buch wurde 2013 mit dem renomierten Kinderbuchpreis von Sveriges Radio ausgezeichnet.

 Meine Meinung
Bloß die dunklen Vögel auf dem Cover und der Klappentext lassen ahnen, dass es sich bei dem Buch um eine abenteuerliche Geschichte handelt. Die Stimmung ist von Anfang an sehr bedrückend und die Spannungen zwischen Billie und ihrer Mutter sind spürbar.
Die Autorin schafft eine Atmosphäre und Situation, in die sich viele Kinder in Billies Alter (12) mit Sicherheit sehr gut hineinversetzen können. Unstimmigkeiten zwischen Kindern und Eltern sind schließlich etwas ganz natürliches. Billie ist zudem ein kleiner Sturkopf und war mir schnell sympathisch.
Das alte Haus in dem Billie und ihre Mutter unterkommen wirkt dagegen tatsächlich ein wenig unheimlich. Es dauert allerdings einige Seiten bevor man wirklich was erfährt. Die Beziehung zwischen Billie und ihrer Mutter, die Billie bloß immer wieder vorwirft sich nicht auf die neue Situation einzulassen, belastet den Fortgang der Geschichte doch ein kleines bisschen. Das Verhalten von Billies Mutter fand ich an einigen Stellen nicht nachvollziehbar und sehr unfair. Vielleicht war es für die Geschichte, so nötig. Gefallen hat mir das so allerdings nicht.
Wer schon mal etwas von der Glasknochenkrankheit gehört hat und weiß, was es damit auf sich hat, der kann sich schon vor dem Lesen ein Bild malen, worum es in “Glaskinder” geht. Allerdings kommt dies erst viel zu weit am Ende heraus und so liest man sehr schnell voran, ohne diesbezüglich einen Schritt weiter zu kommen. Das fand ich schon ein wenig ärgerlich.
 Was mir besonders gut gefallen hat…
Die Geschichte war an keiner Stelle absolut vorhersehbar. Das Rätsel bekam nach und nach immer weitere Aspekte und war dabei in keinster Weise unrealistisch. Auch die Aufdeckung und alles was sich darum herum rankte, war gut geschildert und wirkte nicht konstruiert. Das Buch hatte einfach einen sehr schönen Abschluss und man ging aus der “Gruselgeschichte” mit einem positiven Gefühl heraus, was meines Erachtens für ein Kinderbuch für die Altersstufe ab 10+ auf jeden Fall noch sehr wichtig ist!

Kristina Ohlsson – Aschenputtel

Kristina Ohlsson – Aschenputtel
blanvalet | 495 Seiten | 4/5 Punkten
1. Teil der Fredrika Bergmann Reihe

Hochsommer in Schweden. Es regnet in Bindfäden. Der voll besetzte Schnellzug nach Stockholm muss außerplanmäßig halten. Eine junge Frau tritt hinaus aufs Bahngleis, um ungestört zu telefonieren – und wird von ihrer Tochter getrennt., als der Zug ohne Vorwarnung weiterfährt. Der Schaffner wird alarmiert, doch als er das kleine Mädchen abholen will, ist es spurlos verschwunden. Das Ermittlerteam um Kommissar Alex Recht und Fahndungsspezialistin Fredrika Bergman wird auf den Fall angesetzt. Als wenig später ein zweites Kind verschleppt wird, entwickelt sich der Fall zu einem Albtraum.

Meine Meinung:

Das Ermittlerteam von Achenputtel besteht aus dem Teamchef Kommissar Alex Recht, seinem Kollegen Peder Rydh, der Zivilistin im Polizeiapparat, wie es im Buch so schön heißt, Fredrika Bergman und ihre Assistentin Ellen. Fredrika ist nämlich keine Polizistin sondern zivile Ermittlerin.
Diese, sowie familiäre Situation der Teammitglieder sorgen für Spannungen untereinander. Zwischen Peder und Fredrika herrscht eine Art Konkurrenzkampf. Auch die Art wie die einzelnen Charaktere mit der Situation umgehen wird sehr genau beschrieben, wobei die beiden männlichen Hauptermittler dabei sehr oft Fredrikas Verhalten abwertetend bewerten und dies darauf zurück führen, dass sie eben keine richtige Polizistin ist. Es herrschte also zunächst mal kein sehr vertrautes Verhältnis unter den Ermittlern.
Insgesamt nimmt auch ein Großteil des Buches das drum herum und das Privatleben dieser wichtigen Figuren im Vordergrund, woran ich mich zunächst auch erstmal gewöhnen musste.

Das Buch ist aufgeteilt in drei offizielle Teile und eine kurzes Abschluss-Kapitel zwischen Teil Zwei und Teil Drei. Eigentlich kann man sagen, dass Teil Eins und Teil Zwei den wirklichen Ermittlungsfall behandeln. Das Abschluss-Kapitel eben diesen Fall abschließen und Kapitel Drei sich nur mit Dingen befasst, die nach Abschluss des Falles noch sagen waren: Situation der Ermittler im Privatleben nach Abschluss des Falles.
Was mich gerade an dieser Aufteilung störte, waren die Titel der Teile. Teil Eins nannte sich: “Falsche Fährte” und sie behandelte wie betitelt auch die Ermittlung in eine falsche Richtung. Und das obwohl Fredrika Bergman an einigen Stellen ihre Mitstreiter darauf aufmerksam machte, dass man sich vielleicht auch auf andere Dinge konzentrieren sollte. Deswegen fand ich diesen Teil auch wirklich etwas weniger spannend als die zweite Hälfte des Buches. In ihrer Danksagung im Anschluss des Buches sagte die Autorin allerdings auch selber man hätte ihr beim Schreiben geraten: “Du musst über 90 Seiten hinauskommen, danach kannst du immer weiterschreiben!” Ich würde dem so ziemlich zustimmen. Diesen Eindruck hatte man auch beim Lesen. Hatte man irgendwann einen betimmten Punkt im ersten Teil erreicht konnte man es auch sehr angeregt weiterlesen. Den zweiten Teil fand ich dann sogar sehr spannend. Auch wenn es zum Schluss sehr schnell voranging. Das hat mir am Anfang gefehlt.

Insgesamt würde ich Ohlsson zu ihrem Debütroma gratulieren. Sie hat mich auf jeden Fall von ihrer Schreibkunst überzeugt und ich werde mir bestimmt auch ein weiteres Buch von ihr kaufen. Von mir gibt es also letztlich 4 von 5 Sterne. Und die Leseprobe im Anhang des Buches lies sehr viel gutes erhoffen.